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Bücher
Johannes R. Becher: Wolkenloser Sturm  


Johannes R. Becher:
Wolkenloser Sturm

Ahrenshooper Gedichte
Mit 25 Schwarz-weiß-Fotografien und einem Nachwort von Jens-F. Dwars

Edition Ornament im
quartus-Verlag, Bucha 2004 - vergriffen!
Auch die leicht veränderte Zweitauflage von 2009
ist ausverkauft!

Japanische Blockbindung in Französischer Broschur mit Schutzumschlag,
64 S., 11,90 Euro

ISBN 978-3-936455-70-0
zu bestellen beim Herausgeber

 

Er war der Staatsdichter der DDR schlechthin. Die vorliegende Auswahl von 25 Gedichten ist die erste des Lyrikers seit 25 Jahren! Sie läßt einen Zweifler entdecken, der sich von billiger Hoffnung lossagt und seine Trauer um die eigene Vergänglichkeit in kristallinen Versen verdichtet.

Eine Hommage an Ahrenshoop, das Fischerdorf auf dem Darß, das durch Becher und den Kulturbund auch in der DDR ein Rückzugsort für Künstler geblieben ist.

 

Die Presse urteilt:

„Gedichte voller Schwermut und lebendiger Schönheit.“ Ostthüringer Zeitung

„...wunderbare Natur- und Liebesgedichte.“ Thüringische Landeszeitung

„...ein zu Unrecht vergessener Naturlyriker.“ Ostsee-Zeitung

„...ein exquisit gekleidetes Bändchen.“ Neues Deutschland


 
Leseprobe

WINDFLÜCHTER
Bäume im Darß (Ahrenshoop)

Sie haben einen Grund noch, einen festen,
Und dennoch hält der Grund sie a1lzu fest.
Sie flüchten vor dem Wind mit allen Ästen
Und halten fest, hinauf bis zum Geäst.

Die Äste splittern in den Windgewittern,
Und aus der Tiefe schöpft der Wind das Meer.
Er schleudert Wogenberge, grau und schwer,
Daß auch die Stämme in den Wurzeln zittern.

Gestalten mit verkrüppelten Gelenken,
Nur in den Wurzeln regt sich noch ein Wille.
Das Meer, der Wind, die Wolken - eine Wucht,

Die Bäume scheinen sich noch zu verrenken,
Wenn Meer und Himmel atmen wieder Stille.
Sie sind noch in der Stille auf der Flucht.


WOLKENLOSER STURM

Wolkenloser Sturm. Im blauen Stürmen
Reinen Himmels sich das Meer erhebt,
Wenn sich Wellen über Wellen türmen
Und der Sturm sie unter sich begräbt.

Wellenhügeln gleich die Felder wehen,
Und das Land schwankt wie ein Wogengang.
Bäume knieen nieder und erstehen
In dem wolkenlosen Sturmgesang.

Nieder steigt das Meer, um aufzusteigen,
Bis ein jeder Wellenberg verneigt
Sich vor jener Stille, deren Schweigen
Donnernd in den Sturm herüberschweigt.

Auch der Glanz der Sonne muß erzittern
Vor dem wolkenlosen Übermut,
Und sie tanzt auf Wellen wie auf Splittern,
Spiegelnd sich in der kristallenen Flut.

 


WAS UNS BETRÜBT, was uns erfreute,
Geschah vordem schon in der Zeit.
Was gestern war, ist hier und heute,
Und in den Heute liegt bereit,

Was alles morgen sich gestaltet,
Und das, was übermorgen ist,
Und nur solch eine Zeit veraltet,
Die diese ihre Zeit vergißt.




Herstellung: poliTEXTbüro Update: 20.07.2016