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Edition Ornament

André Schinkel. Parlando. 44 Texte

 

Vorzugsgrafik von Karl-Georg Hirsch

André Schinkel
Parlando. Vierundvierzig Texte

Hrsg., gestaltet und mit einem Nachwort versehen
von Jens-Fietje Dwars
Mit drei Schabblättern und einem Holzstich
von Karl-Georg Hirsch
96 Seiten, Engl. Broschur mit handmont. Etikett.
tief violettes Vor- und Nachsatzpapier,
schwarzer Lesefaden, 500 num. Expl.

50 Vorzugsexemplaren liegt je ein signierter
Holzstich "Schonzeit" von Karl-Georg Hirsch bei,
gedruckt von Bettina Haller im dreifarbigen Irisdruck
auf Hahnemühle Zerkall Bütten Alt Burgund.

Die Vorzugsausgabe ist ausverkauft!

ISBN 978-3-943768-01-5

Vorzugsausgabe Nr. 1-50: EUR 49,90 EUR
Normalausgabe Nr. 51-500: EUR 14,90 EUR

Zu bestellen beim Herausgeber.

 

Die drei Schabblätter von Karl-Georg Hirsch "Mondgartenlied", "Versteckte Tiere" und "Im Pub"
wurden rasterfrei in feinsten Schwarz-Weiß-Abstufungen gedruckt.

 

Eine Komposition aus dicht verwobener Lyrik, Kurzprosa und Essays
zum 40. Geburtstag des Hallenser Autors.

Ausgezeichnet mit dem Walter Bauer Preis der Städte Leuna und Merseburg 2012!

 

   


Aus dem Nachwort

Wir sind Rosenkäfer im Wind der Verdammnis ...“ Schöner und trauriger läßt sich unser flüchtiges Dasein auf diesem traurig-schönen Klumpen Erde kaum beschreiben, der mit uns durch das All rast, aus dem Nichts ins Nichts. Dazwischen der unendlich scheinende Raum fragiler Begegnungen, den wir Liebe nennen.
André Schinkel hat das Gedicht "Am Röthaer See" 2008 zum „Menantes-Preis für erotische Dichtung“ eingereicht. Ich gestehe gern: Es gehört zu den berührendsten, die ich je gelesen habe. Daß ich nicht vermochte, die Jury von seiner Preiswürdigkeit zu überzeugen und daß es dem Autor selbst nicht gelang, als einer von fünf Finalisten das Publikum auf seine Seite zu ziehen, spricht nicht gegen dieses pulsierend feine und zugleich raffiniert gebaute Wortgebilde. Es bestätigt vielmehr das Unzeitgemäße solcherart Dichtung, die nicht im Heute aufgeht, die über uns hinaus weist.
Er ist seltsam anwesend und abwesend zugleich, dieser Dichter aus dem „Hilbig-Land“ der schmerzvollen Schönheit. 1972 in Eilenburg geboren, wuchs er in der Dübener Heide auf, im Schatten jener Burg, in der sich Kohlhaasens Feingefühl für Ehre und Gerechtigkeit in den Furor selbstvernichtender Rachlust verkehrte. Rinderzüchter hat er gelernt, mit Abitur, das ihm den Weg zum Studium in Halle bahnte: Kunstgeschichte, Germanistik und prähistorische Archäologie, abgeschlossen 2001.
Seitdem lebt der Magister artium als Autor, Lektor, Gutachter, Kritiker und Chefredakteur der Literaturzeitschrift "oda– Ort der Augen" in der Hallorenstadt. Ein Zweizentnermann, „Schreiber in der Gestalt eines Landwirts“, der die zartesten Verse seit Hilbig dichtet. Sprachgewebe mit unverwechselbar eigenem Sound, der süchtig macht.
15 Bücher hat André Schinkel veröffentlicht. Seine Gedichte und Essays sind in 13 Sprachen übersetzt, und dennoch ist er in Deutschland nur wenigen ein Begriff. Anders als Hilbigs Abwesenheit in der DDR ist die seinige keiner Ideologie geschuldet. Die Zensur des Marktes arbeitet sublimer, doch nicht weniger effektiv.
Nur Großverlage mit entsprechendem Werbeetat können noch Türme in die Literaturlandschaft rammen. Den kleinen bleibt die Chance, das Andere zu entdecken: das anwesend Abwesende wahrzunehmen, ihm in einer Nische Raum zu geben, um seine Aura zu entfalten.
Der vorliegende Band vereint 44 Texte zum 40. Geburtstag von André Schinkel. (...) keinen Querschnitt, einen Spiegel vielmehr, der die Eigenart seines Schreibens aufscheinen läßt: Parlando – ein sprechendes Singen und singendes Sprechen, facettenreich, phantasievoll-übersprudelnd und zugleich in Rhythmus und Form streng kalkuliert.
Altmeister Hirsch hat sich 14 Tage lang in diese Texte vergraben und das Echo, das sie in ihm auslösten, in Schwarz und Weiß gestochen, geritzt, geschabt. Traumbilder mit feinsten Nuancen, deren Wiedergabe den Druckern alles abverlangt. So ist ein kleines Gesamtkunstwerk entstanden, von dem man am Ende vielleicht doch sagen kann: es sind Liebesgedichte, traurig schöne Gesänge auf unser Erdendasein als Rosenkäfer im Wind der Verdammnis.

 

Leseprobe

Am Röthaer See

Wo du bist, ist Tagmond – karg flattert und bleich die
Maske über die Wellen und teilt unsre Herzen
Bis auf den Grund: ein lichterndes Lauschen – die
Blicke der Brombeern, sagst du und siehst dich
Scheu um, sind nicht zu berechnen ... derweil ich
Dich küsse im Lichtschein, im Spiegel deiner
Smaragdbraunen Augen. Was hörst du, frag ich,
Derweil ich dich küsse, und weißt du von mir:
Der Wind trägt das Klappern der Böhlener Störche
Zu uns, streicht dir verzagt über den Halsflaum,
In dem das Gewitter der Sommersprossen für mich
Grollt, die zarte Teilung des Leuchtens, in das
Ich verliebt bin seither. Und das Werk gegenüber
Stellt nichts her als Dampf: Ist das unsre Liebe,
Frag ich, und du antwortest nicht. Wir sind Rosen-
Käfer im Wind der Verdammnis, sag ich; und
Du sagst nichts, aber du küßt mich, und der Duft
Rinnt dir über den Leib die Lenden herab, aus
Dem Gefieder der Brüste, zart, von den Gelenken
Des Bauches hinab. Der Wind geht über den See und
Kräuselt die Wellen, wie deine Stirn, wenn
Dir der Hauch unsrer verfahrnen Wochen aufgeht.
Wir sind Rosenkäfer im Wind der Verdammnis,
Aber du hörst mir nicht zu, derweil du mich küßt; –
Und ich bin verloren an dich, dein sächsisches
Schweigen, deine Scheu, deine Blicke, dein Leib.
Der Wind geht, die Brombeeren beobachten
Uns, das Werk gegenüber stellt nichts her als Dampf:
Das ist unsere Liebe, sag ich, und will es nicht
Glauben; und du schweigst, küßt mich und siehst
Mich nicht an, weil du den Abschied schon
Nimmst, von dem du nichts weißt, und der mir
Das Künftige bricht: der Schlaf und die Liebe, die
Träume nichts wert ... derweil ich dich küsse
Und das Werk gegenüber nichts herstellt als Dampf:
Wir sind Rosenkäfer im Wind der Verdammnis.

 

Pressestimmen

Schinkel findet einen ganz eigenen, unverwechselbaren Ton, kraftvoll metapherngesättigt oder schwebend zart, von einem machtvollen Wortstrom getragen oder ganz der Ruhe hingegeben, im Zwiegespräch mit der Natur und mit sich selbst. (...)
Parlando, das ist einmal die in Rhythmus und Vers festgehaltene Doppeltheit, in der sich das Wissen um die „Verlorenheit einer Liebe und das Beharren auf ihr“ spiegelt.
Parlando ist in einem weiteren Sinne das Orpheische in André Schinkels Texten, der Gesang der Worte. Jeder seiner Texte beginnt mit einem unverwechselbaren Ton, einer eigenen Tonart, die im Gedicht, im Prosatext und im Essay entfaltet und bis zum Ende des Textes konsequent beibehalten wird.
Parlando, das ist zugleich die Komposition der Texte aus zwanzig Jahren zu einem erdenschweren Gesang, leise beginnend, sich steigernd, aufgipfelnd und von Neuem beginnend, bis mit „L'AUTRE MONDE“ das große Finale erklingt. Der Schlussakkord bleibt mit „OBSERVATION“ (entstanden 1997) einem streng geformten Gedicht im Moll-Ton vorbehalten.
Der Band „PARLANDO“ gewinnt an Schönheit und Intensität durch vier Graphiken von Karl Georg Hirsch. Vorangestellt ist dem gesamten Band eine Graphik zum Gedicht „SCHONZEIT“, die in ihrer Ausdrucksstärke und Dynamik der poetischen Welt André Schinkels auf' das Engste verwandt ist. Zu den Gedichten „Im PUB“, „VERSTECKTE TIERE“ und „MONDGARTENLIED“ sind drei großartige Graphiken entstanden. Die Gedichte finden sich auf der linken Seite, die gedruckten Graphiken auf der gegenüberliegenden. Gedicht und Graphik halten Zwiesprache und laden den Leser als Dritten im Bunde zum Dialog.
André Schinkels „PARLANDO“ ist ein feiner, schmaler, typographisch excellent gestalteter Band, den in der Hand zu halten und zu betrachten ein sinnliches und den zu lesen ein geistiges Vergnügen bereitet.
Dietmar Ebert, 19.03. 2012, www.poetenladen.de/dietmar-ebert-andre-schinkel.htm


Schinkel ist in den wirklichen Landschaften ebenso zu Hause wie in den mythischen. Beide gehen bei ihm, das verbindet ihn mit der Dichtung des verehrten Wolfgang Hilbig, stufenlos ineinander über. Schinkels Minotauren könnten auch im Weimarer Ilmpark weiden, seine Schmetterlinge am Röthaer See flügelschlagend ein Chaos in China auslösen. Der Blick des lyrischen Ichs löst Stücke vom Rügener Kreidefelsen und sitzt im Einbaum der Poetik. Schinkel kann in seinen Texten mal lakonisch und mal ausufernd sein. Er ist ein Lyriker, der – ähnlich wie der Freund, Kollege und Wahl-Hallenser Wilhelm Bartsch – freirhythmische Verse schreibt, weil er auch die strengen Metren und Reime beherrscht.
Die Illustrationen zu Parlando stammen von Karl-Georg Hirsch. Es ist interessant zu sehen, welche Texte den Leipziger Künstler zu seinen bis in die feinsten Nuancen ausgearbeiteten Traumbildern inspiriert haben, die den Druckern des Buches alles abverlangt haben. Es sind die herrlich frivolen Verse "Im Pub" sowie "Versteckte Tiere", das nicht nur wegen seiner witzigen Fauna in gereimten Zweizeilern vor allem ein Gedicht für Kinder ist, und das "Mondgartenlied".
Kai Agthe, in: Palmbaum. Literarisches Journal aus Thüringen, Heft 1/2012

Es sind kraftvolle Texte, die die ungeheure Spannweite "zwischen dem Bleiben und dem sicheren Ende eine Zeitlang zu überbrücken" versuchen. Schicht für Schicht durchstößt der Archäologe die Seelenablagerungen seines lyrischen Ichs und gelangt in die Gefilde, wo des Nachts die Ängste und Beklemmungen ihr Eigenleben führen und bis in die Tagträume hinein qualvoll walten. Seine Gedichte und lyrischen Kurztexte zeugen von hoher Stilsicherheit und einer Sensibilität für deren Rhythmus, dass man von einem Romantiker sprechen möchte, der mit dem Blick der Moderne die "Wüstungen" der inneren und äußeren Wirklichkeit zur Sprache bringt.
Thüringische Landeszeitung (TLZ)

Was ist Schreiben anderes als Brücken zu schlagen; von der bloßen Rede zum Gesang, von der Benennung der Tatsachen zur Formulierung des Dennoch? (...) Karl-Georg Hirsch hat den Band mit vier Graphiken mit gestaltet. Der Brücke sozusagen ein Geländer verliehen, am dem der Leser sich festhalten kann, um tiefer hinab oder weiter hinaus zu schauen. Hirsch Stiche sind nicht einfach nur Illustrationen, sondern erweitern die Texte, eröffnen eine weitere Dimension.
(...) Parlando erzählt davon, dass Gedichte einen Austritt aus der Welt bedeuten, ein Überschreiten der Vernunft und somit eine Brücke schlagen zwischen Sehnsucht und Verzweiflung. Kann sein, dass man von dieser Brücke aus, die Stelle wiederfindet, an der diese „reparaturbedürftige Welt“ unvergänglich schön ist.
Elke Enghelhardt, in: fixpoetry

Es gibt sie noch, in Inhalt und Form sehr gute Bücher zum erschwinglichen Preis. Gewiss, man muss sie suchen in den Buchhandlungen - auch weil ihr konstantes Format und äußeres Erscheinungsbild kein "lautes" ist, und ein Werbebudget für auffällige Präsentation einen kleinen Verlag überfordern. Doch die Suche wird belohnt. Einmal mehr beweist das die vom Jenaer Jens-Fietje Dwars 2005 begründete Reihe "Edition Ornament". (...) Andre Schinkel, der auch Stadtschreiber in Ranis gewesen ist, haben es Weimar und dessen Umgebung offenbar besonders angetan, wie in "Parlando" (Band 10) aufgenommene Gedichte schon in ihren Titelzeilen kundtun: "Fürstengruft", "Weimar im Mai", "Wielands Grab" und "Die Ilsenhöhle" lesen wir da. Doch ebenso lesenswert sind die ziselierten kurzen Prosastücke und Essays des Schriftstellers, der vom Rinderstall in die Schreibstube wechselte, mit seinen Büchern in 13 Sprachen übersetzt wurde, doch hierzulande nur wenigen ein Begriff ist.
Heinz Stade, in: Thüringer Allgemeine (TA)

"Parlando" ist die Komposition von Texten aus zwanzig Jahren, der Band umfasst Gedichte, lyrische Prosa und Essays. Was bisweilen zum Kolonialwarenladen werden kann, findet in "Parlando" zum stimmigen Gesamtgefüge; nicht unwesentlich tragen die Holzstiche von Karl-Georg Hirsch und das feine Layout hierzu bei. So ist es bereits ein sinnliches Vergnügen, das Buch in die Hand zu nehmen. Für jeden Leser, der bisher kein Buch von Schinkel gelesen hat ist Parlando ein Glücksfall, der ideale Einstieg. (...)
Der besondere Reiz von André Schinkels Gedichten, der lyrischen Prosa und Essays liegt im Charme der Umkehrung. Ein poetisches und gedankliches Sprachspiel, bei dem der Autor als Anwalt der sprachlosen Dinge den stummen Objekten eine Stimme leiht. Dabei entstehen lakonische, sinnlich unmittelbar ansprechende und zugleich philosophisch mehrdeutige Bilderrätsel von stiller Ironie. Das Dionysische wird zu einem Hauptelement dieser Dichtung.
In Schinkels Parlando kann man sich häuslich einrichten. Es gibt Ecken, in denen man schlafen möchte, und Fenster, die sich ins Weite öffnen. Stundenlang kann man bei einem einzigen Text verweilen oder von Raum zu Raum schlendern, wie in einem guten Museum. Und nach Wochen wird man noch etwas Neues entdecken, ein durchdachtes Detail oder ein verstecktes Zitat, obwohl auf den ersten Blick alles so schlicht und luftig erscheint. 
Matthias Hagedorn, in: Edition Das Labor


Etwas unbemerkt hat sich in den letzten Jahren in Mitteldeutschland ein Verlagsnetz etabliert, dessen Verortung nicht nur in den größeren Städten zu suchen ist. (...) Einer dieser Verlage, der schon durch seine Buchgestaltung eine größere Wahrnehmung verdient, ist der »quartus-Verlag« des Buchkünstlers Jens-Fietje Dwars, der, angelehnt an die Reihe »Der jüngste Tag« von Kurt Wolff, die Edition Ornament entwickelt hat. (...)
Dass die Reihe nicht poetischen Gattungsbezeichnungen untergeordnet wird, beweist Band 10, in dem sich Prosa, Gedichte und Essays befinden. »Parlando«, so heißt das Buch und bezeichnet auch in der Musik den Sprechgesang, rhythmisch exakt mit leichter Tongebung. Und in diesem Sprechgesang des Autors Andre Schinkel verdienen die Essays besondere Beachtung, insbesondere wenn es um Kleist oder um Peter Bichsel geht. Nun vermutet man, dass das Schreiben des Autors auf Grund der Biografie von der wissenschaftlichen Seite her erfolgt und auch die Archäologie die Texte durchdringt, allerdings wird mit dein Gedicht »versteckte Tiere« diese These widerlegt. Vielmehr zeigt es, warum Andre Schinkel den Förderpreis der Ringelnatz-Stiftung erhielt. Den typographisch schön gestalteten Seiten sind Graphiken des Künstlers Karl-Georg Hirsch beigegeben, die auf die Texte Bezug nehmen und doch andere Sichtweisen eröffnen.
Thomas Ernest, in: Ostragehege, 1/2013, Dresden


André Schinkel ist ein Lyriker, der den eher hohen Ton pflegt. (...) Die dunkel glänzenden Prosagedichte von "minotaurischen Weiden" und der "Mondinnenseite" der Träume sind gegenwärtig fast einzigartig (Thomas Böhme schreibt eine Kurzprosa von vergleichbarer Kohärenz). Allein das grandiose Liebesgedicht "In der Dünenheide" lohnte die Anschaffung.
Jürgen Engler, in: Marginalien. Zeitschrift für Buchkunst und Bibliophilie, Heft 3/2013

 

 

 


Herstellung: poliTEXTbüro Update: 24.12.2015