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Edition Ornament

Jan Decker. Eckermann oder die Geburt der Psychoanalyse aus dem Geist Goethes. Theatermonolog in drei Bildern mit Zeichnungen von Kay Voigtmann

 

Vorzugsgrafik von Kay Voigtmann

Jan Decker
Eckermann oder
die Geburt der Psychoanalyse
Theatermonolog

Hrsg., gestaltet und mit einem Nachwort versehen
von Jens-Fietje Dwars
Mit drei handmontierten Zeichnungen von Kay Voigtmann
72 Seiten, Engl. Broschur mit handmont. Etikett.
himbeerfarbenes Vor- und Nachsatzpapier,
schwarzer Lesefaden,
500 num. Expl.

50 Vorzugsexemplaren liegt je eine signierte
Handzeichnung "Über-, Unter-, Neben-Ich"
als serielles Unikat von Kay Vigtmann bei.

Die Vorzugsausgabe ist ausverkauft!

ISBN 978-3-936455-99-1

Vorzugsausgabe Nr. 1-50: EUR 69,90 EUR
Normalausgabe Nr. 51-500: EUR 14,90 EUR

Zu bestellen beim Herausgeber.

 

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Weimar 1846. Prof. Heinroth, Deutschlands erster Psychiater, kommt aus Leipzig, um die Zurechnungsfähigkeit von Johann Peter Eckermann zu begutachten. "Goethes Papagei" (Heinrich Heine) würgt alles aus sich heraus, was er jahrelang im Haus am Frauenplan geschluckt hat ...
Ein tragikomischer Monolog mit wundervoll skurrilen Zeichnungen von Kay Voigtmann.
Außerdem enthält der Band einen Brief von Jan Decker zur heutigen Literaturlandschaft im Stile
Eckermanns an den Dichterfürsten.

 

 

   


Aus dem Nachwort

(...) Seit 150 Jahren geistert Eckermann als Spottfigur durch die deutsche Literaturgeschichte. Nicht so in der jüngsten Adaption des Stoffes, in dem vorliegenden Monolog von Jan Decker. Seine Spielidee ist die denkbar schönste: Eckermann kehrt 1846 nach Weimar zurück und muss sich für seine Flucht verantworten. Johann Christian August Heinroth, der erste deutsche Inhaber eines Lehrstuhls für „psychische Therapie“, soll für den Hof Eckermanns Zurechnungsfähigkeit begutachten. Heinroth hat tatsächlich den Begriff der „Person“ in die Krankheitslehre eingeführt. Störungen des Seelenlebens, wie sein Hauptwerk hieß, wollte er ganzheitlich aus der Lebensführung eines Menschen ergründen. Und so lässt er Eckermann in die Gründe seines Scheiterns hinabtauchen. Da ist zunächst und immer wiederkehrend die Armut, die jeden Ansatz einer geistigen Selbstbestimmung im Keim erstickt. Devot gesteht er im ersten Bild oder Akt seine Schuld, die in nichts als seiner Abhängigkeit vom Hof und von Goethe besteht. Im zweiten spricht er sich los davon, im wörtlichen Sinne: Wort für Wort würgt er aus sich heraus, was er all die Jahre lang geschluckt hat. All die Demütigungen, Grillen und Macken eines egomanischen Genies, an dem ganz Weimar leidet. Doch der Befreiungsakt scheitert erneut. Die verinnerlichte Stimme Goethes weist Eckermann im dritten Bild in seine Schranken. Der Goethe in ihm hat die Untersuchung inszeniert. Wie das? Der wirkliche Heinroth war 1843 bereits gestorben. Deshalb schweigt er auf der Bühne. Ist der Monolog das Traumspiel eines Verzweifelten, der resigniert an den Ort seiner einstigen Hoffnung zurück kehrt und den Verstand verliert? Nicht ganz. Der Wahn macht ihn hellsichtig. Fortan spielt er mit Freuden, was ihm bislang eine Qual war: den Papagei Goethes, jene Lebensrolle, für die er sein Futter vom Hofe erhält. Und die ihm ermöglicht, im vierten Band seiner Gespräche vielleicht doch die Wahrheit zu sagen ...
Oder liegt die Wahrheit im Spiel selbst, in diesem Ringen mit dem Über-Ich der deutschen Literatur, das wie im Traum die Konturen einer anderen Anschauung der Dinge gebiert, die Ahnung, dass wir mehr sind als Personen, weil Persona ja nur die Maske meint, die wir einander vors Gesicht halten?
Jan Decker, der Autor dieses Traumspiels der Klassik, wurde 1977 in Kassel geboren, hat in Leipzig am Literaturinstitut studiert und lebt dort als Verfasser von Hörspielen, Theaterstücken, Essays und Erzählungen.
Kay Voigtmann, Jahrgang 1968, beglückt von Gera aus wachsende Heerscharen von Kunstsammlern und Freunden des illustrierten Buches mit seinen wundersamen Wesen: niedlichen Geschöpfen mit insektenhaft gestreckten Gliedern und bissigen Zähnen. Biedermeier-Helden in Kafkas Welt, unserer Welt. Und sind wir nicht alle im Verhältnis zu den Goethes aller Zeiten lauter Eckermänner?

 

Pressestimmen

Es mag zunächst überraschen, dass Eckermann als Monolog ausgewiesen ist, die dramatis personae aber Goethes einstiger Sekretär und Johann Christian Heinrich Heinroth, Professor für psychische Therapie an der Universität Leipzig, sein sollen. Der Untertitel hat dennoch seine Berechtigung. Denn Heinroth war im Jahr 1846, in dem das Stück spielt, schon tot und soll (trotzdem) für den Hof Eckermanns Zurechnungsfähigkeit begutachten. So changiert das Stück im Spannungsfeld von Fakten und Fiktion, ist Dokumentation und Traum zugleich. Der Grafiker Kay Voigtmann aus Gera, Jg. 1968, hat Eckermanns introspektive Bekenntnisse in filigrane Zeichnungen umgesetzt, die kafkaesk anmuten.
Kai Agthe, in: Palmbaum. Literarisches Journal aus Thüringen, Heft 1/2012

... ein tief bohrendes Gespräch um Ängste, Abhängigkeiten und den Traum, Goethe zu entkommen. Bei aller Nähe, die zwischen Eckermann und dem Publikum entsteht, bleibt die Prosa kühl-distanziert, schlittert nie ins Voyeuristische – auch dort nicht, wo es um das aus Goethes Werk verbannte "Eingeständnis eines zu kurzen Pimmels als Staatsgeheimnis" geht. Ein besonderer Genuss besteht in der Leichtigkeit, mit der hier Fakt, Fiktion und Formulierkunst zu einem schillernden Neuen verwoben werden. Bei aller Exquisität und Gesetztheit seiner Prosa verfällt Decker nie in einen künstelnden oder bloßstellend-satirischen Duktus. Deckers Monolog hat seine bestrickendsten Seiten dort, wo ein zeitlos-universeller Geist zwischen den Zeilen atmet: Sein Weimar von anno 1846 wurzelt tief in unserer Gegenwart, in unser aller Verhältnis zu Goethe. Es geht letztlich um die Frage, ob man Goethe entkommt, indem man vor ihm flieht oder indem man sich ihm stellt. Damit wirft der Monolog eine existenzielle Frage auf, die man so schnell wie möglich auch im Theater gestellt bekommen will.
Gregor Szyndler, in: Baseler Zeitung, 29.4. 2012

Deckers geschickt zwischen Komik und Tragik, Fakt und Fiktion, Selbstverteidigung und Anklage changierender Monolog präsentiert eine Figur, wie es sie in Goethes Umgebung zuhauf gab. Das hatte freilich weniger mit Goethe und mehr mit der ausgeprägten Untertanenmentalität seiner Getreuen zu tun, die der Weimarer Dichter einerseits beklagte, andererseits aber wohl auch erwartete. (...) Und so roch es in der Nähe des Literaturtitanen – wie Thomas Mann das ausdrückte – nur allzu sehr nach Opfer.
Dietmar Jacobsen, in: Literaturkritik, Heft 6/2012

In mehreren Sitzungen mit dem Leipziger Medizinprofessor und psychischen Therapeuten Johann Christian Heinroth versucht Eckermann sich von seinem "Über-Ich" und der Enge Weimars zu befreien, bis er am Ende doch erkennen muss, dass "wir alle in Goethes Hand" sind und er nun bereit ist, mit Freuden zu sein, was er bisher unter Qualen war: "Goethes Papagei". Ob die Spielidee dieses Einpersonenstücks einen Theaterabend tragen und die Zuschauer fesseln kann, das wird eine künftige Aufführung zeigen.
Dietmar Ebert, in: Thüringische Landeszeitung (TLZ)

Es gibt sie noch, in Inhalt und Form sehr gute Bücher zum erschwinglichen Preis. Gewiss, man muss sie suchen in den Buchhandlungen - auch weil ihr konstantes Format und äußeres Erscheinungsbild kein "lautes" ist, und ein Werbebudget für auffällige Präsentation einen kleinen Verlag überfordern. Doch die Suche wird belohnt. Einmal mehr beweist das die vom Jenaer Jens-Fietje Dwars 2005 begründete Reihe "Edition Ornament". (...)
Wie Eckermann von der Couch aus versucht, sich vom "Über-Ich" und der Enge Weimars zu befreien, das ist spannend und mit einer gehörigen Portion Vergnügen zu lesen.
Heinz Stade, in: Thüringer Allgemeine (TA)

Herausgeber Jens-Fietje Dwars hat einem jungen Autor ein Podium geboten, der wiederum einem ollen Protokollanten die Ehre gibt. Jan Decker: Eckermann oder die Geburt der Psychoanalyse – „Theatermonolog in drei Bildern mit Zeichnungen von Kay Voigtmann“. In diesem Stück soll der brave Eckermann begründen, warum er immer wieder scheiterte, an sich und natürlich an Goethe. Ob das spielbar ist, bleibt vorerst eine Frage, gut lesbar ist es, meint der Rezensent, eine Spezies, die Goethe bekanntlich gern totschlagen ließe.
Matthias Biskupek, in: Eulenspiegel, September 2012

(Das) Theaterstück könnte man sich auf kleinen Bühnen oder auch als Hörspiel sehr gut vorstellen. Decker versteht sich auf Eckermanns kleinen Kosmos, in dem auch das ambivalente Verhältnis zu Goethe plastisch wird. Und es ist logisch, dass bei einem Theatermonolog Heinroths Rolle eher als Transportmittel der Handlung genutzt wird, um dem »Über-Ich« des Klassikers Raum zu geben. Die Befreiung vom Schicksal Goethe gelingt Eckermann nicht, bis zum Schluss ist das Ausgegrenztsein von Rang und Stand sein Thema. Es mutet gestrig an und ist eigentlich doch recht gegenwärtig.
Thomas Ernest, in: Ostragehege, 1/2013, Nr. 69, Dresden

Jan Decker läßt den Adlatus des Weimarer Dichterfürsten seine an Goethe leidende Seele offenbaren. Der geistvolle Theatermonolog braucht den Vergleich mit Hacks' "Gespräch im Hause Stein" nicht zu scheuen. Verblüffend, wie passend Freudsche Kategorien anmuten, die in den Text eingestreut sind, wobei ja ein Prä-Freud, der Professor Heinroth, als schweigsamer Anwesender Eckermanns Beichte vernimmt. Drei montierte Zeichnungen von Kay Voigtmann mit grimmig-heiteren Porträts vor schwarzem Hintergrund sind das bildnerrische Äquivalent der literarischen Erhellung Eckermannscher Dunkelzonen.
Jürgen Engler, in: Marginalien. Zeitschrift für Buchkunst und Bibliophilie, Heft 3/2013


Nächste Lesung aus dem Buch

Siehe die Website des Autors.



 

 


Herstellung: poliTEXTbüro Update: 24.12.2015