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Edition Ornament

Friedrich Dieckmann. Blaumalerei. Kriminalerzählung

 

Friedrich Dieckmann
Blaumalerei.
Eine Kriminalgeschichte
mit acht Zeichnungen
von Horst Hussel

Hrsg., gestaltet und mit einem Nachwort
versehen von Jens-Fietje Dwars .

88 Seiten,
Engl. Broschur mit handmont. Etikett

in Prägung, aquamarinblaues
Vor- und Nachsatzpapier,
blauer Lesefaden
500 num. Expl.


50 Vorzugsexemplaren

liegt je eine signierte
Kaltnadelradierung von Hussel bei:

Davon stehen zwei in je 25 Exemplaren zur Auswahl:
"Carneval in Venedig".(links) oder "Drache" (rechts)

Bitte wählen Sie Ihre Wunsch-Grafik.

ISBN 978-3-943768-34-3

Vorzugsausgabe Nr. 1-50: 59,90 EUR
Normalausgabe Nr. 51-500: 14,90 EUR

Zu bestellen beim Herausgeber.

 

 

Drei der acht Zeichnungen von Horst Hussel.

 

   


Nachwort

Nach 30 Sekunden Film oder drei Seiten Buch muß das erste Opfer auftauchen. So lautet das ungeschriebene Gesetz des Krimihandwerks. Je grausamer die Leiche verstümmelt, je mehr Blut fließt und Schüsse fallen, desto größeren Erfolg hat das Machwerk beim Massenpublikum.
Nicht so die vorliegende Kriminalgeschichte, an der wohl auch nur eine Minderheit von Lesern ihren Spaß haben wird. Aber was für einen! Vordergründig geht es in der bizarren Geschichte, die ein Journalist einer kunstsinnigen Runde, erst im Gasthaus einer Rheinstadt, dann in einem Chemnitzer Weinkeller zum Besten gibt, um die Jagd einer chinesischen Geheimgesellschaft nach dem Urteller des Meißner Zwiebelmusters, das, wie kann es anders sein, aus China stammt. Berlin und Venedig sind die unmittelbaren Handlungsorte. Es gibt Schüsse, Tote und ein wenig Blut.
Doch das ist nur die Oberfläche. Die eigentliche Reise, zu der uns dieser Text einlädt, findet im Kopf statt und führt in die Untiefen der Kulturgeschichte von Mexico über China und das alte Europa bis ins verwirrende Chaos unserer Tage hinein. So entpuppt sich der Krimi als raffiniert verpackte Wundertüte für Erwachsene: eine Schachtel voller Schachteln, aus denen wieder andere zutage treten. Legt man sie nebeneinander, ergibt sich ein Puzzle: ein Bild unserer Welt. Der Verfasser dieses Puzzles, Friedrich Dieckmann, wurde 1937 in Landsberg/Warte geboren. Er hat Germanistik, Philosophie und Physik studiert und von 1972 bis 1976 als Dramaturg am Berliner Ensemble gewirkt, bevor er Schriftsteller und Kritiker wurde. Neben Büchern über Schiller, Schubert, Brecht und Wagner schrieb der Altmeister des Essays einen Band zur deutschen Oper.
Von dieser Bildungsbreite und -dichte lebt auch die Geschichte über die Blaumalerei. Ein Lesevergnügen, das die Zeichnungen von Horst Hussel zum Genuß steigern. 1934 in Greifswald geboren, wurde Hussel gleich zweimal, an den Kunsthochschulen in Dresden und Berlin, wegen „Formalismus“ und „Dekadenz“ exmatrikuliert. Davon unbeirrt ging er seinen eigenen Weg, entwickelte er seit 1961 eine unverkennbar eigene Handschrift als Grafiker, Buchgestalter, Schriftsteller und Herausgeber.
Hussel bevorzugt das Groteske, das Skurrile, doch nicht um des Auffallens willen. Er liebt die Außenseiter, die um unverfälschten Ausdruck ringen. Wie Kinder, die noch nicht die Kunst beherrschen, sich hinter gängigen Mustern zu verstecken. Daher das scheinbar „Kindliche“ seiner Zeichnungen, das in Wirklichkeit nur von der „Disziplin“ zeugt, das Gesehene „auf wenige Stufen“, aufs Wesentliche, „zu reduzieren“, wie Paul Klee dieses Verfahren nannte, das uns immer wieder staunend erfreut.

 

Pressestimmen

Der Essayist Friedrich Dieckmann ... wagt mit »Blaumalerei« einen ebenso überraschenden wie gelungenen Ausflug ins damit von ihm sofort neu (nämlich philosophisch) definierte Genre der Kriminalgeschichte. Mitsamt Horst Hussels hinreißend kryptischen Zeichnungen wird auch dieser Text dann zum Exempel auf die Möglichkeitsform: Ermittlung in eigener Sache.
Gunnar Decker, in: Neues Deutschland, 3. Juni 2015

Horst Hussel illustriert nicht, er illuminiert. Nach eigener Licht-, nein Leuchtgesetzgebung. (...)
Dieckmanns Text zieht hinaus, unterm Diktum eines bizarren Falles um kostbarkeitsbesessene Mafiosi; ja, das Thema steht fest, aber dann wird rasch ein Auszug ins Freie daraus, nicht etwa ins Ungebundene, jedoch ins Höhere oder Tiefere, ins Raumzeitliche, das keine banalen Unterscheidungen zwischen Erzählung und Essay anstellt. Bemerkungen zur chinesischen Mauer weiten sich zum Sinnieren über das grundsätzliche Elend betonierter, steinerner Abgrenzung. Fabuliert wird über „eine Revolution, die man Restauration nannte“, was Assoziationen weckt zur Restauration, die in manchen Mündern Revolution heißt. Und höchst aufstörend setzt Dieckmann den Studentenaufstand 1989 auf dem Platz des Himmlischen Friedens ausholend in historische Kontexte und schlussfolgert: „China in der Hand einer überseeisch gelenkten Jugendbewegung – das hätte Chaos und Blut in weit größerem Maßstab bedeutet.“
Dieckmann zu lesen, ist eine Arbeit, also: eine wahre Vergnügung, die etwas kostet, um sich auszuzahlen. Denn des Autors Denken, das Sprache wird, wehrt sich gegen das Geläufige der schnellen Begriffsreihungen, die dem Gemüte Anstrengung vermeiden. Da ist Intensität und Reichhaltigkeit – eingefangen im kleinen Geschichtenraum: der große Geschichtsraum. Abenteuer Sprache. Allein im Freigeist findet’s wirklich statt. So flaniert Dieckmann, dichtend, durch die Zeiten, heiter und hingebungsvoll im Skeptischen. Ein Spaziergänger durch Sphären des Politischen und Sozialen, deren Enge ihn doch insofern beglückend anfällt, weil gerade das Beschädigte, das Unvollendete eine treibende Medizin ist für Erweiterungen des kritischen Bewusstseins. Dieckmann verfügt über eine scheu-filigrane Erscheinungsart, die leicht darüber hinwegzutäuschen vermag, dass es sich bei ihm um einen Besessenen handelt. Seine schriftfixierte Existenz ist so sehr von Ausdrucksgabe und Sinntiefe genährt, dass sie, Text geworden, vom Leser als Erfahrung wahrgenommen wird und nicht als deren Ersatz stolziert. Er lebt sein Schreiben, es lebt ihn. So empfangen beide voneinander: Stütze.
In der Unermüdlichkeit dieses Autors geht das hervordrängend Enzyklopädische eine Bindung ein mit geschliffenstem, hageldicht differenzierendem Wort; ganz Liebe zu stilvoller Komplikation. Das hebt an, das hebt sich ab, das ist hochdiszipliniert – wer Dieckmann liest, erlebt Freiheit gegenüber jeder Form (Nicht-Form) obwaltender Vokabularherrschaft.
Hans-Dieter Schütt, in: Palmbaum, Heft 2/2015

... ein Krimi, der aufs Geistige zielt – aufs Staunen und Bedenken.
Irmtraud Gutschke, in: Neues Deutschland, 15. Oktober 2015



 

 

 

 

 

 

 


Herstellung: poliTEXTbüro Update: 24.12.2015